LEIPZIG

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Eine Spurensuche zu Spiritualitiät, Glauben und Religion im Umfeld der Leipziger Eisenbahnstraße

27. Mai 2017 | 11–14 Uhr & 16–19 Uhr
TREFFPUNKT: Ost-Passage Theater, Konradstraße 27 (über ALDI)

Was haben Glauben, Integration und Marmeladekochen miteinander zu tun? Was bedeutet es, in dieser Gesellschaft als Schamane zu praktizieren? Was glaubt ein atheistischer Alawit? Wie kann man religiöse Phänomene wie Fundamentalismus erklären? Kann man Pilgern als Lebenshaltung kultivieren? Gehören glaube und politisch-gesellschaftliche Verantwortung zusammen? Muss jede gläubige Muslima ein Kopftuch tragen? Was verbindet stinkende Socken, trockenes Brot und Spiritualität?

Der Osten Deutschlands gilt als eine der religionslosesten Regionen der Welt. In Sachsen sind mehr als 70% der Bevölkerung konfessionslos. Laut der Religions- und Kultursoziologin Dr. Uta Karstein, die den christlich-islamischen Dialog im säkularen Kontext Ostdeutschlands untersucht, gelte Religions- und Kirchenkritik den meisten Ostdeutschen als selbstverständlich. Im Zuge der sogenannten „forcierten Säkularität“ werde Religion als altmodisch und nicht als Teil des modernen Lebens betrachtet. Dieser Haltung folgend sei Glaube und Spiritualität Privatsache und habe in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Die Konflikte mit religiös sichtbaren oder sich klar zu ihrem Glauben bekennenden Gruppen sind vorprogrammiert. In Ostdeutschland betrifft dies fast ausnahmslos Menschen mit Migrationshintergrund. Konflikte bestehen hier also nicht nur vor dem Hintergrund der anderen Kultur, sondern insbesondere auch hinsichtlich der offen gelebten Glaubenszugehörigkeit.

Der Leipziger Osten und besonders die Gegend um die Eisenbahnstraße stehen im Ruf arm, grau und gefährlich zu sein. 2013 nannte sie PRO7 „die schlimmste Straße Deutschlands“. Die diversen Kommentarspalten, in denen die Eisenbahnstraße „Dönerallee“ oder „Bin-Laden-Allee“ genannt wird, verdeutlichen, dass von vielen gerade die multikulturelle und multireligiöse Prägung des Stadtteils als Grund für Konflikte und Spannungen betrachtet werden. Der Prozentsatz an Menschen mit Migrantionshintergrund liegt hier bei bis zu 39% und somit weit über dem Leipziger Durchschnitt von 12,3%.

Das Kunstprojekt Eine Frage des Glaubens lädt im Rahmen des evangelischen Kirchentages dazu ein, den Leipziger Osten, seine multikulturellen und -religiösen Nachbarschaften und die damit verbundenen Lebenswelten zu entdecken. Am Samstag den 27. Mai 2017 machen sich die Gäste anhand eines Stadtplans eigenständig auf den Weg. Auf der Karte sind Orte markiert, an denen religiöse und spirituelle Zentren oder Privatpersonen ihre Türen öffnen, und dazu einladen, über ihr ganz persönliches Verhältnis zum Glauben und ihre Spiritualität zu sprechen, gemeinsam zu praktizieren, zu singen, zu meditieren, zu pilgern. Andere laden zum Austausch über Ungläubigkeit, Radikalisierung und den spezifischen Kontext in Ostdeutschland vor und nach der Wende ein. Auf dem Weg könnt ihr Gottesdiensten lauschen oder Orte entdecken, die auf den ersten Blick keinen Hinweise auf ihren religiösen Hintergrund geben.

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Im Rahmen des evangelischen Kirchentags auf dem Weg

Ein Projekt von Diana Wesser in Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Produktionsbüro Blühende Landschaften, gefördert durch den Fonds Darstellende Künste – Sonderprogramm HOMEBASE, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Reformationsjubiläum 2017 e.V.